Materialidentität
Lapislazuli ist ein Gestein, kein Einzelmineral. Seine Hauptbestandteile sind Lasurit, Calcit und Pyrit, mitunter ergänzt durch Diopsid, Amphibol, Feldspat oder Glimmer. Lasurit liefert das begehrte Blau, Calcit tritt als weiße Matrix auf und Pyrit als goldene Flitter. Das Material ist meist undurchsichtig bis halbdurchscheinend, mit wachsigem bis glasartigem Glanz, und wird vorwiegend als Cabochon, Perle, Einlage, Täfelchen, Siegelstein oder Skulptur gearbeitet statt als transparenter Facettstein.
Visueller Charakter
Der charakteristische Ton reicht von leicht grünlichem bis violettstichigem Blau, mittel bis dunkel und kräftig gesättigt. Besonders geschätzt wird ein gleichmäßiges tiefes Blau ohne sichtbaren Calcit, während kleine, fein verteilte Pyriteinschlüsse wie ein Nachthimmel wirken können, ohne den Wert zu mindern. Weiße Calcitadern können in legeren Stücken grafisch reizvoll sein, senken aber bei feinen Qualitäten meist den Wert. Zu viel Pyrit lässt die Oberfläche stumpf oder grünlich erscheinen.
Bedeutung und kultureller Kontext
Seit Jahrtausenden wird Lapis zu Pigment gemahlen, in königliche Objekte eingelegt und als Stein von Tiefe und Rang getragen. Seine gesprenkelte, sternbesetzte Oberfläche macht diese Geschichte sichtbar: Kein Cabochon gleicht dem anderen im Verhältnis von Blau, Weiß und Gold. Unter den blauen Steinen steht er abseits von Saphir, Sodalith, Azurit, Kyanit, Apatit, gefärbtem Howlith und blauem Glas, die jeweils eigene Zusammensetzung, Härte und Pflege verlangen.
Schmuck und Pflege
Bei Lapis ist die Offenlegung von Behandlungen wichtig. Farbstoffe manchen Materials können sich mit Aceton oder denaturiertem Alkohol lösen, und Wachsversiegelungen leiden unter Hitze oder Lösungsmitteln; auch ungefärbter Lapis kann imprägniert sein. Da das Gestein vergleichsweise weich und porös ist, mit einem weichen, feuchten Tuch reinigen, von Lösungsmitteln und starker Hitze fernhalten und getrennt von härteren Steinen aufbewahren, die seine Politur verkratzen könnten.
Auswahl des Steins
Perle, Cabochon oder Einlage beurteilt man nach Sättigung des Blaus, dem Anteil sichtbaren Calcits, der Verteilung des Pyrits, der Qualität der Politur und der angegebenen Behandlung. Ein gutes Stück wirkt in tragbarer Größe als stimmige Fläche, in der Blau, Gold und gegebenenfalls Weiß gewollt erscheinen und nicht zufällig.